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Gilt für alle Tage - das Vergängliche ist allgegenwärtig

Eine Sache muss ich definitiv noch lernen: Die Schicksale der Patienten nicht zu sehr an mich rankommen zu lassen. Auf der anderen Seite will ich nicht so ein abgestumpftes Wesen werden. Aber dass ich tagelang drüber nachdenke, geht auch nicht. Ich hoffe (bzw. bin sicher), ich werde irgendwann den Mittelweg finden.

Es ist einfach ein ganz fieses Gefühl, Zeuge zu werden, wie eine knapp über 40jährige Patientin direkt vor einem dekompensiert, als sie erfährt, dass sie ein fortgeschrittenes Harnblasenkarzinom hat und ihre Blase (und vielleicht auch ihre Kontinenz) verlieren wird. Die Konsequenz, die sich daraus ergibt, wird ihr glaub ich so langsam klar. Dass es damit nämlich nicht getan ist. Ihr steht ein langer, steiniger Weg bevor, und ob dieser am Ende von "Erfolg" (sprich Heilung) gekrönt sein wird, steht zu bezweifeln. Man steht so hilflos da, und tröstende Worte erscheinen einem nur hohl und absolut überflüssig. Es ist einfach zum Kotzen, wenn man als selbst 40jährige Frau sieht, wie schnell das Blatt sich wenden kann. Man wäre vielleicht noch in der Lage, das bange Gefühl um die eigene Gesundheit abzuschütteln - wäre da nicht die Serie, die sich gerade irgendwie eingestellt hat.

Denn just steht der nächste Patient auf der Matte, der mal eben durch einen Zufallsbefund gerade quasi sein Todesurteil in Form eines metastasierten Nierenzellkarzinoms bekommen hat. Ebenfalls gerade mal knapp über 40 Jahre. Da sitzt ein gestandener Mann vor einem, Familienvater von zwei kleinen Kindern (jünger als meine Tochter) und Ehemann einer sehr netten Frau, und versucht, die Fassung zu wahren und Optimismus auszustrahlen. Und im Gespräch wird versucht, die Wahrheit so schonend wie möglich rüber zu bringen. Auf dem Röntgenbild sieht ein solcher Befund so nüchtern aus, so fremd irgendwie. Aber wenn man während der OP das Organ mit den Händen umfasst und das ganze Ausmaß sieht, wird einem anders. Da ist der Gedanke an die eigene Gesundheit und das eigene Kind wieder da. An solchen Tagen ist es auch im OP deutlich ruhiger. Auch das könnte man vielleicht so gerade eben noch halbwegs abschütteln, würde da nicht direkt am Anfang der nächsten Woche wieder eine viel zu junge Patientin mit ähnlichem Befund zur OP anstehen, die vor 4 Tagen noch kerngesund erschien und im Grunde noch ein langes Leben vor sich zu haben schien.

Ich hoffe, die Serie hat jetzt bald ihr Ende erreicht. Es reicht!

13.9.08 23:22
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


der denker (14.9.08 11:26)
Wirklich toller Blog! Scheinst ja Glück gehabt zu haben mit deiner Station! Wirklich lustig... :D


lavalava / Website (17.9.08 17:08)
Nein, zuende ist es nie. Wie auch? Dann wären wir ja arbeitslos! Man kann nur versuchen nicht mehr so oft an die traurigen Schicksale zu denken und Kraft zu schöpfen aus den Momenten, in denen man Menschen wirklich helfen konnte. Helfen muss ja nicht heilen bedeuten. Manchmal reicht es schon, jemandem etwas mehr Zeit zu verschaffen, sich auf das Ende vorzubereiten.

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