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Tag 2 - Frau Laufmantel

Schwester auf Station: "Aah, ein neues Gesicht... hallo, ich bin Sr. ABC *schaut an meiner Brust herunter* .... sie haben aber einen lustigen Namen, heißen sie echt so?" Ich sehe an mir herunter. "Nein, ich heiße nicht "Laufmantel", den hab ich mir nur aus der Uni-Wäscherei ausgeliehen"

Der 2. Tag beginnt mal wieder mit der Visite, bei deren Beginn ich aber noch nicht anwesend bin, weil ich noch keinen Zugang zu dem Raum habe, in dem sich mein Kittel und meine Schuhe befinden. Ich stoße also später hinzu, zu der erneuten Predigt des Chefarztes. Witzig nur, dass die Chefärztin (wieviele Abteilungen gibt es, wo sich 2 Personen diesen Posten teilen?????) ebenfalls heute anwesend ist. Sie hatte mich vorher schon sehr herzlich willkommen geheißen und entschuldigte sich mit einem Seitenblick auf eine andere Person für den schlechten Start am Vortag. Und wieder geht die Östrogen-Diskussion los. "Merken sie sich eines: Es macht überhaupt keinen Sinn, den ganzen kleinen Jungs mit ner Phimose Östrogensalben zu geben. Ich weiß auch, dass die Niedergelassenen das gerne verordnen. Aber der Penis hat nunmal - wie ich ihnen gestern schon sagte - keine Östrogenrezeptoren". Die Chefärztin schweigt und nickt, allerdings alles andere als zustimmend. "Wenn ich Patienten mit schlechter Haut Östrogensalben verschreibe, wird die Haut wunderbar weich..... haben wir nun am Gesicht etwa Östrogenrezeptoren?"

Irgendwie macht sich ein Gefühl des "nur jetzt nicht pupsen, es herrscht Explosionsgefahr" breit. Gottseidank ist die Besprechung damit auch relativ schnell beendet. Schön, wenn sich zwei Chefärzte so sehr mögen, und das auch noch in einer Abteilung *gacker*. Aber ich famuliere ja bei ihr und nicht bei ihm, was es für mich einfacher macht.

Nach dem Apfel und einer halben Flasche Wasser geht es zu Blutentnahmen und Viggolegen auf Station. Heute hat man extra für mich zu Übungszwecken mal die MTA unten im Labor weiter ihre Arbeit machen lassen, anstatt zum allmorgendlichen Vampirdienst erscheinen zu müssen. Höhö, welch ein Luxus.... Blutentnahmen werden von MTAs durchgeführt!!! Bin ich in DEUTSCHLAND????. Dann geht es weiter in die Ambulanz und zur extrakorporalen Stoßwellentherapie bei einer Steinpatientin. Ich komme gerade noch rechtzeitig, um den Beginn des Knatterkonzertes mitzubekommen. Eine halbe Stunde später hab ich nicht das Gefühl, dass der Stein in der Niere der Patientin futsch ist, vermute aber, dass er die Sollbruchstellen nach diesem Fegefeuer nicht überleben wird. Nach einem netten Plausch mit dem Assistenten über den Sinn und Unsinn eines Hammerexamens bla bla bla sage ich, dass ich die Urologie als ein kleines, aber feines chirurgisches Fach erachte. "Sollte sie der Chef jemals fragen, warum sie gerade Uro als 1. Famu gewählt haben, sagen sie DAS bitte nicht! Es würde ihm ganz und gar nicht gefallen - und ihnen würde die Predigt auch nicht gefallen" "ok *grins*, aber es ist doch so" "Klar ist es das!!!! Aber das sieht er natürlich gänzlich anders ". Wir grinsen uns wissend an und machen weiter. Die Trümmerstunde neigt sich dem Ende zu und ich mache mich auf die Suche nach einem Mandreng, weil die Infusionsflasche leer ist und ich die Patientin gerne abstöpseln würde. "Um Gottes willen NEIN!!!!! Sie wissen doch, was er über Stöpsel gesagt hat!" "Moooooooooooooooooooooment, nur mal zum Mitschreiben.... die Flaschen bleiben nicht ernsthaft dran, auch wenn sie leer sind, oder? Er meinte DIESE Stöpsel?" "Er MEINTE diese Stöpsel... ich weiß, Flaschen werden ÜBERALL abgestöpselt, aber nicht auf seinen Stationen, you know? " Irgendwie komme ich heute nicht mehr aus dem Grinsen heraus...

Anschließend Zuschauen bei der Untersuchung einer TS-Patientin. Ich mag diese Patientinnen, die sind einfach niedlich, weil weiblicher als weiblich - mitunter .

Hopp, hopp, ab auf die Station, da wartet eine Akte auf mich. Die soll ich studieren, Chefin stieße später zu mir, wird mir gesagt. Gottseidank hab ich in meinem alten Beruf gelernt, Krakelshandschriften einigermaßen sicher zu entziffern *grins*. Ich habe irgendwie den Verdacht, als würde ich gleich abtestiert werden. Nun ja, ein Wunder, dass der Akte nicht nachher ein Stück fehlte.... nicht dass ich Hunger hatte (verdammt, ich HATTE Hunger, aber doch nicht auf Plastik und Papier!), aber ich fresse mich wirklich von vorne bis hinten durch. Das "Testat" verläuft locker; offenbar will man sehen, ob ich in der Lage bin, eine Akte zu lesen und die wesentlichen Informationen zu finden und zu filtern. Anschließend gehen wir beide gemeinsam zum Patienten und klären ihn über den Eingriff des folgenden Tages auf. Ich merke, dass man sich hier sehr sehr viel Mühe gibt, mir ordentlich Rüstzeug für meine weiteren Famulaturen und mein Irgendwann-Arztsein mitzugeben. Die fachliche und soziale Kompetenz beeindruckt mich, und ich stelle fest, dass ich noch nie zuvor eine umfassendere Aufklärung erlebt habe. Und ich bekomme mehr als nur eine Ahnung, dass ich in diesen 4 Wochen verdammt viel lernen werde.

Kaum sind wir damit fertig, rauschen wir auch schon in den OP. Ich schaffe es so gerade noch, mal auf's Klo zu huschen und stelle bangen Herzens fest, dass mein Magen irgendwo weiter südlich hängt und ich schon Schweinebraten rieche, wo keiner ist. Naja, denke ich, wird schon nicht so wild werden. 2 Revisionen TS 1. Sitzung stehen an. Ich bin begeistert vom kosmetischen Ergebnis der vor einigen Tagen stattgefundenen Geschlechtsanpassung, weniger vom Zustand meines Kreislaufs. Es kommt wie es kommen muss: Die Ente muss mal wieder abtreten, weil sie ein wenig blass um die Nase wird und sich überaus "plümerant" und schwitzig fühlt. Somit ist diese OP für mich als 2. Assistenz gelaufen, und ich ärgere mich mal wieder über meine Doofheit. Man kredenzt mir ein Gläschen Wasser und einen Keks und will ernsthaft meinen BZ bestimmen (pffffffff, dat tut doch weh!), nachdem ich nach 15 Minuten noch immer schlapp auf den Beinen bin. Ab morgen hab ich immer nen Müsliriegel in der Kitteltasche, soviel steht fest!!! Hmpfm..


Auf dem Weg zum 2. OP (der sich auf einer anderen Etage befindet) kommt uns der Chef im Treppenhaus entgegen. Wir ernten den üblichen herablassenden Blick und bekommen zu hören, dass wir ja wohl mit den alten OP-Klamotten nicht in den nächsten OP könnten! Mir bleibt der Mund offenstehen. Meiner Begleiterin jedoch nicht. "Herr Kollege, seien sie gewiss, dass ich die Grundsätze der Hygiene durchaus beherrsche. Guten Tag"

Die 2. OP verläuft wesentlich besser - auch wenn ich noch immer auf 1 Butterkeks und Wasser laufe. Dennoch bin ich diesmal gottseidank trotz allem "standhaft". Es wird viel gefrotzelt am Tisch und es ist eine kurzweilige Angelegenheit. Die Chefärztin wird von der Assistentin darüber aufgeklärt, dass ich laut Chef mit meinen 40 Jahren östrogentechnisch schon auf dem absteigenden Ast sei. Ein breites Grinsen, Kopfschütteln und ein "ah ja, charmant wie immer... machen sie sich nix draus" sagt mir, dass er nicht gerade ein Sympathieträger ist. Man zeigt mir einige OP-technische Kniffe und wundert sich erneut, dass ich Uro als 1. Famulatur gewählt habe ("also ICH wollte niemals Urologie machen!!!" Chefärztin schaut von ihrer Arbeit auf und erwidert "Wie man sieht, haben sie sich doch noch besonnen.... was mich freut". Ich meinerseits wundere mich nur noch, dass ich das Rumgewühle und Geschnippel an diesen delikaten Stellen so gut toleriere - naja, sind ja nicht meine delikaten Stellen . Am Ende entdecke ich im OP-Buch ein "Dr. Ente" bei den Operateuren und muss grinsen. Sieht gut aus..... irgendwie.... ob ich mich doch noch dem D.I.S.S.-Club anschließen sollte????

Dann bekomme ich noch einen Zaunpfahl mit: "Ach ja, und morgen frühstücken sie gut und üppig, ok?" "Äh, wie lange dauert denn die Zystektomie ungefähr?" "Och, so ca. 5 - 5,5 Stunden, wenn alles glatt läuft" Mein Gesicht muss Bände gesprochen haben, erntete ich doch Gelächter und Schulterklopfen "jetzt wissen sie, warum sie frühstücken sollen". Und erneut stehe ich als 2. Assistenz auf dem Plan. Und das am 2. Tag. Ich werde um 15.45 Uhr nach Hause entlassen mit dem Hinweis, dass der Lerneffekt der Röntgenbesprechung eher gering wäre und wir uns da ja mal gesondert mit beschäftigen könnten. Ach ja, die Teilnahme an der morgendliche Visite wird mir erlassen ... dass ich mein Kind schulfertig mache, sei wichtiger. Irgendwie könnte ich meine Tutorin küssen . Was sie in diesen 2 Tagen schon alles für mich organisiert hat, ist der Hammer. Auf dem Heimweg kneife ich mich manchmal, um festzustellen, dass ich durchaus hellwach bin. Jo, ich bin im Famulanten-Himmel angekommen.

20.8.08 00:19
 


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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Funkel (21.8.08 18:53)
Ich seh schon, die Ente wird Wasserwerkerin...


Daisy (21.8.08 23:55)
Hättest du müch dann nüch mehr lühp?


Funkel (23.8.08 10:47)
Nu ja, man müsste dann diesbezüglich nochmal in sich gehen....


Die Niere / Website (12.9.08 10:30)
Komme hier auf Hawaii noch nicht viel dazu zu lesen, aber bisher bin ich schon beim zweiten amüsanten Tag angelangt...

liebe gruesse, nierchen

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