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Tag 1 bei den Wasserwerkern - Ein Stöpsel ist ein Stöpsel ist ein Stöpsel...

Beginn um: 7.15 Uhr

Erste Tätigkeit: Mit den anderen Docs und dem Chefarzt um die Wette durch die Patientenzimmer rasen. Resultat: keine Medaille, es sei denn in der Disziplin "theoretisch wichtig gucken, praktisch doof gucken"

Nach der Visite dann überaus wichtige Besprechung im Kreise der Ärzteschaft. Der Chef hatte wiiiiichtige Erkenntnisse zu verkünden. So weiß ich nun, dass 17jährige Männer voll im Testosteron-Saft stehen, ebenso wie junge Frauen im Östrogen-Saft. 64jährige Männer wie der Chef haben noch einen beachtlichen (höhö!) Saft-Anteil. Aber 40jährige Frauen .... tja, die "sind bereits auf dem absteigenden Ast". Ach ja, und Penisse haben keine Östrogenrezeptoren...

Es geht weiter mit einer Belehrung über "Stöpsel". "Sowas Unhygienisches möchte ich nicht auf meinen Stationen sehen. Sollte ich sowas noch einmal entdecken, können sie sich alle auf ein Donnerwetter gefasst machen". Über die Natur der ominösen Stöpsel werde ich zunächst noch im Dunkeln gehalten, soll aber bald erfahren, um was es sich da handelt...

Zweite Tätigkeit: Erstmal nen Kaffee trinken *uff* ... wie soll man da nen Überblick bekommen???

Dritte Tätigkeit: Wir üben uns im Röntgenblick durch eine Chefschulter ("sie soll hinter mir stehen!!!" ) , während dieser sich um eine Blasenekstrophie und ein gespaltenes Becken kümmert. Vier stündiges Stehen, von einem Bein auf's andere Hüpfen und unablässiges Rechts-Links-Schunkeln ließen mich ab und an einen Blick erhaschen. Fragen meinerseits wurden mit Ein-Wort-Sätzen beantwortet. Na danke auch! Zumindest konnte ich das meiste von dem, was ich ab und an erhaschen konnte, eindeutig anatomisch identifzieren, was ich mal als kleinen Erfolg werte


Ende des 1. Tages: 13.30 Uhr

19.8.08 22:34


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Tag 2 - Frau Laufmantel

Schwester auf Station: "Aah, ein neues Gesicht... hallo, ich bin Sr. ABC *schaut an meiner Brust herunter* .... sie haben aber einen lustigen Namen, heißen sie echt so?" Ich sehe an mir herunter. "Nein, ich heiße nicht "Laufmantel", den hab ich mir nur aus der Uni-Wäscherei ausgeliehen"

Der 2. Tag beginnt mal wieder mit der Visite, bei deren Beginn ich aber noch nicht anwesend bin, weil ich noch keinen Zugang zu dem Raum habe, in dem sich mein Kittel und meine Schuhe befinden. Ich stoße also später hinzu, zu der erneuten Predigt des Chefarztes. Witzig nur, dass die Chefärztin (wieviele Abteilungen gibt es, wo sich 2 Personen diesen Posten teilen?????) ebenfalls heute anwesend ist. Sie hatte mich vorher schon sehr herzlich willkommen geheißen und entschuldigte sich mit einem Seitenblick auf eine andere Person für den schlechten Start am Vortag. Und wieder geht die Östrogen-Diskussion los. "Merken sie sich eines: Es macht überhaupt keinen Sinn, den ganzen kleinen Jungs mit ner Phimose Östrogensalben zu geben. Ich weiß auch, dass die Niedergelassenen das gerne verordnen. Aber der Penis hat nunmal - wie ich ihnen gestern schon sagte - keine Östrogenrezeptoren". Die Chefärztin schweigt und nickt, allerdings alles andere als zustimmend. "Wenn ich Patienten mit schlechter Haut Östrogensalben verschreibe, wird die Haut wunderbar weich..... haben wir nun am Gesicht etwa Östrogenrezeptoren?"

Irgendwie macht sich ein Gefühl des "nur jetzt nicht pupsen, es herrscht Explosionsgefahr" breit. Gottseidank ist die Besprechung damit auch relativ schnell beendet. Schön, wenn sich zwei Chefärzte so sehr mögen, und das auch noch in einer Abteilung *gacker*. Aber ich famuliere ja bei ihr und nicht bei ihm, was es für mich einfacher macht.

Nach dem Apfel und einer halben Flasche Wasser geht es zu Blutentnahmen und Viggolegen auf Station. Heute hat man extra für mich zu Übungszwecken mal die MTA unten im Labor weiter ihre Arbeit machen lassen, anstatt zum allmorgendlichen Vampirdienst erscheinen zu müssen. Höhö, welch ein Luxus.... Blutentnahmen werden von MTAs durchgeführt!!! Bin ich in DEUTSCHLAND????. Dann geht es weiter in die Ambulanz und zur extrakorporalen Stoßwellentherapie bei einer Steinpatientin. Ich komme gerade noch rechtzeitig, um den Beginn des Knatterkonzertes mitzubekommen. Eine halbe Stunde später hab ich nicht das Gefühl, dass der Stein in der Niere der Patientin futsch ist, vermute aber, dass er die Sollbruchstellen nach diesem Fegefeuer nicht überleben wird. Nach einem netten Plausch mit dem Assistenten über den Sinn und Unsinn eines Hammerexamens bla bla bla sage ich, dass ich die Urologie als ein kleines, aber feines chirurgisches Fach erachte. "Sollte sie der Chef jemals fragen, warum sie gerade Uro als 1. Famu gewählt haben, sagen sie DAS bitte nicht! Es würde ihm ganz und gar nicht gefallen - und ihnen würde die Predigt auch nicht gefallen" "ok *grins*, aber es ist doch so" "Klar ist es das!!!! Aber das sieht er natürlich gänzlich anders ". Wir grinsen uns wissend an und machen weiter. Die Trümmerstunde neigt sich dem Ende zu und ich mache mich auf die Suche nach einem Mandreng, weil die Infusionsflasche leer ist und ich die Patientin gerne abstöpseln würde. "Um Gottes willen NEIN!!!!! Sie wissen doch, was er über Stöpsel gesagt hat!" "Moooooooooooooooooooooment, nur mal zum Mitschreiben.... die Flaschen bleiben nicht ernsthaft dran, auch wenn sie leer sind, oder? Er meinte DIESE Stöpsel?" "Er MEINTE diese Stöpsel... ich weiß, Flaschen werden ÜBERALL abgestöpselt, aber nicht auf seinen Stationen, you know? " Irgendwie komme ich heute nicht mehr aus dem Grinsen heraus...

Anschließend Zuschauen bei der Untersuchung einer TS-Patientin. Ich mag diese Patientinnen, die sind einfach niedlich, weil weiblicher als weiblich - mitunter .

Hopp, hopp, ab auf die Station, da wartet eine Akte auf mich. Die soll ich studieren, Chefin stieße später zu mir, wird mir gesagt. Gottseidank hab ich in meinem alten Beruf gelernt, Krakelshandschriften einigermaßen sicher zu entziffern *grins*. Ich habe irgendwie den Verdacht, als würde ich gleich abtestiert werden. Nun ja, ein Wunder, dass der Akte nicht nachher ein Stück fehlte.... nicht dass ich Hunger hatte (verdammt, ich HATTE Hunger, aber doch nicht auf Plastik und Papier!), aber ich fresse mich wirklich von vorne bis hinten durch. Das "Testat" verläuft locker; offenbar will man sehen, ob ich in der Lage bin, eine Akte zu lesen und die wesentlichen Informationen zu finden und zu filtern. Anschließend gehen wir beide gemeinsam zum Patienten und klären ihn über den Eingriff des folgenden Tages auf. Ich merke, dass man sich hier sehr sehr viel Mühe gibt, mir ordentlich Rüstzeug für meine weiteren Famulaturen und mein Irgendwann-Arztsein mitzugeben. Die fachliche und soziale Kompetenz beeindruckt mich, und ich stelle fest, dass ich noch nie zuvor eine umfassendere Aufklärung erlebt habe. Und ich bekomme mehr als nur eine Ahnung, dass ich in diesen 4 Wochen verdammt viel lernen werde.

Kaum sind wir damit fertig, rauschen wir auch schon in den OP. Ich schaffe es so gerade noch, mal auf's Klo zu huschen und stelle bangen Herzens fest, dass mein Magen irgendwo weiter südlich hängt und ich schon Schweinebraten rieche, wo keiner ist. Naja, denke ich, wird schon nicht so wild werden. 2 Revisionen TS 1. Sitzung stehen an. Ich bin begeistert vom kosmetischen Ergebnis der vor einigen Tagen stattgefundenen Geschlechtsanpassung, weniger vom Zustand meines Kreislaufs. Es kommt wie es kommen muss: Die Ente muss mal wieder abtreten, weil sie ein wenig blass um die Nase wird und sich überaus "plümerant" und schwitzig fühlt. Somit ist diese OP für mich als 2. Assistenz gelaufen, und ich ärgere mich mal wieder über meine Doofheit. Man kredenzt mir ein Gläschen Wasser und einen Keks und will ernsthaft meinen BZ bestimmen (pffffffff, dat tut doch weh!), nachdem ich nach 15 Minuten noch immer schlapp auf den Beinen bin. Ab morgen hab ich immer nen Müsliriegel in der Kitteltasche, soviel steht fest!!! Hmpfm..


Auf dem Weg zum 2. OP (der sich auf einer anderen Etage befindet) kommt uns der Chef im Treppenhaus entgegen. Wir ernten den üblichen herablassenden Blick und bekommen zu hören, dass wir ja wohl mit den alten OP-Klamotten nicht in den nächsten OP könnten! Mir bleibt der Mund offenstehen. Meiner Begleiterin jedoch nicht. "Herr Kollege, seien sie gewiss, dass ich die Grundsätze der Hygiene durchaus beherrsche. Guten Tag"

Die 2. OP verläuft wesentlich besser - auch wenn ich noch immer auf 1 Butterkeks und Wasser laufe. Dennoch bin ich diesmal gottseidank trotz allem "standhaft". Es wird viel gefrotzelt am Tisch und es ist eine kurzweilige Angelegenheit. Die Chefärztin wird von der Assistentin darüber aufgeklärt, dass ich laut Chef mit meinen 40 Jahren östrogentechnisch schon auf dem absteigenden Ast sei. Ein breites Grinsen, Kopfschütteln und ein "ah ja, charmant wie immer... machen sie sich nix draus" sagt mir, dass er nicht gerade ein Sympathieträger ist. Man zeigt mir einige OP-technische Kniffe und wundert sich erneut, dass ich Uro als 1. Famulatur gewählt habe ("also ICH wollte niemals Urologie machen!!!" Chefärztin schaut von ihrer Arbeit auf und erwidert "Wie man sieht, haben sie sich doch noch besonnen.... was mich freut". Ich meinerseits wundere mich nur noch, dass ich das Rumgewühle und Geschnippel an diesen delikaten Stellen so gut toleriere - naja, sind ja nicht meine delikaten Stellen . Am Ende entdecke ich im OP-Buch ein "Dr. Ente" bei den Operateuren und muss grinsen. Sieht gut aus..... irgendwie.... ob ich mich doch noch dem D.I.S.S.-Club anschließen sollte????

Dann bekomme ich noch einen Zaunpfahl mit: "Ach ja, und morgen frühstücken sie gut und üppig, ok?" "Äh, wie lange dauert denn die Zystektomie ungefähr?" "Och, so ca. 5 - 5,5 Stunden, wenn alles glatt läuft" Mein Gesicht muss Bände gesprochen haben, erntete ich doch Gelächter und Schulterklopfen "jetzt wissen sie, warum sie frühstücken sollen". Und erneut stehe ich als 2. Assistenz auf dem Plan. Und das am 2. Tag. Ich werde um 15.45 Uhr nach Hause entlassen mit dem Hinweis, dass der Lerneffekt der Röntgenbesprechung eher gering wäre und wir uns da ja mal gesondert mit beschäftigen könnten. Ach ja, die Teilnahme an der morgendliche Visite wird mir erlassen ... dass ich mein Kind schulfertig mache, sei wichtiger. Irgendwie könnte ich meine Tutorin küssen . Was sie in diesen 2 Tagen schon alles für mich organisiert hat, ist der Hammer. Auf dem Heimweg kneife ich mich manchmal, um festzustellen, dass ich durchaus hellwach bin. Jo, ich bin im Famulanten-Himmel angekommen.

20.8.08 00:19


Tag 3 - Neoblasen ist nichts Unanständiges

Wir schreiben Tag 3 bei den Wasserwerkern, und ich fange an, dieses Fachgebiet zu lieben (ach was, hat bestimmt noch niemand gemerkt ). Da ich ja bereits wusste, dass ich heute lange im OP stehen würde, hab ich mir heute Morgen wohlweislich ein Wahnsinnsfrühstück reingepfiffen:

2 Toasts mit Käse (1 noch im Badezimmer unter Würgen,

das 2. im Auto, ebenfalls mit langen Zähnen),

1 Stück Nusskuchen um halb 10 nach der Stationsarbeit (von der kleinen Ente gebacken *yummie* + 1 Kaffee (jahaaaaa, ICH! Kaffee!!!),

Um kurz vor 11 Uhr noch eine Banane und ne halbe Flasche Wasser, dann der Ruf "Dr. Bruckner, bitte in den OP" .

 

3 (später 4) Frauen am Tisch, nette Atmosphäre... und das über insgesamt 6 Stunden. Zystektomie mit Anlage einer Neoblase. Ne Heidenarbeit, wie ich jetzt weiß, Fummelskram par excellence. Aber hat Spaß gemacht. Okeeee, auch ich war froh, nach 6 Stunden endlich mal wieder gerade stehen und SITZEN und nach Hause zu können. Mit geschätzten 3 kg weniger Wasser im Körper kippte ich erstmal Ersatz hinterher ... ein Wunder, dass es nicht gezischt hat .

Vorher hatte ich noch 2 Arztbriefe mit meiner Tutorin gepinnt (sie sagt Inhalt, ich formuliere und tippe...), bissel sonografiert in der Ambulanz, hier und da mal über die Schulter geguckt, aber die OP stellte mal so ziemlich alles an diesem Tag in den Schatten.

Ein rundum gelungener Tag. Kaputt aber zufrieden gehe ich nach Hause.

 

Ach ja, wer von euch kann sich noch an diesen bescheuerten, ziemlich unwichtigen und darüber hinaus auch noch INKONSTANTEN  M. pyramidalis erinnern?????? Danke. Das beruhigt mich jetzt . Sagte ich schon, dass ich Testate oder was sich als solches anfühlt, nicht mag? Ich hoffe, ich hab doch weniger gestammelt, als ich mich gerade erinnere .

 


21.8.08 23:40


Tag 4 - Herr Kollege, nun tun sie doch mal nicht so, als würden sie Frauen ins Gesicht schauen...

... sie sind ein Mann und da zählen doch eher andere Argumente, hab ich Recht?" sprach die Chefärztin furztrocken, ohne auch nur einmal von der Unterbrustnaht aufzuschauen.

Da es aber jetzt bereits 23.53 Uhr ist und ich dringend mal sowas wie ausreichende Faltenkosmetik betreiben muss, versuche ich, die Umstände, die zu obigem trockenen Satz der Chefärztin führten, lebhaft im Gedächtnis zu behalten, um sie dann morgen mit breitem Grinsen hier verewigen zu können

 

Nachtrag: Die Umstände sind en Detail nicht mehr sooooo präsent, aber ich bekomme es schon noch zusammen *hoff*.

Als der Gynäkologe, der sich zu uns gesellt hatte, anfing, den Raum für die Implantate unter den Mm. pectorales zu bilden, war die Sache für den Herrn jenseits des grünen Tuches wohl eher uninteressant, zumindest ward er nicht gesehen oder gehört. Als ich dann mal so nebenbei fragte, wieviel Milliliter die Kissen denn so hätten (ich schätzte 300 ml...), war ein bereits ein leichtes Hochkommen eines neugierigen Kopfes hinter der Kasperlebühne zu bemerken. Ich wurde aufgeklärt, dass die Kissen ein Volument von 360 ml hätten, was mir anerkennende Blicke angesichts meiner guten Schätzung einbrachte.

"Hui, gut geschätzt! Sie haben aber nen guten Blick!"

"Naja, die Größe kam  mir jetzt irgendwie bekannt vor"

"IHNEN???"  Fliegende Köpfe und fragende Blicke um mich herum. Der Kopf des Sandmannes kam nun auch endgültig hoch...

Er blinzelte neugierig und grinste "Also DAS würde mich jetzt auch interessieren!!!"

"Nein, nein, ich habe KEINE Implantate, aber ich hab schon mal so ähnliche Dimensionen gesehen, daher die Frage nach der Größe; hat mich einfach nur interessiert."

Es kehrte wieder Ruhe ein, scheinbar... (ich sollte  mich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal mit eben diesem Herrn über die Größe von schlagenden Argumenten unterhalten  

Der Sandmann guckte während der Hautnaht nochmal über's Tüchlein, um anerkennend festzustellen, dass die Brüste ja wirklich toll geworden wären, aber das Gesicht dürfe er dabei nicht ansehen. Daraufhin wurde ER mit zweifelnden und tadelnden Blicken der weiblichen Tischbesatzung bedacht. Der ebenfalls männliche Gynäkologe tat mal so, als wäre er seeeehr konzentriert bei der Sache *hihi*.Es kam zum im Titel bereits zitierten Satz, der für einige Heiterkeit sorgte und noch andere frotzelnde Bemerkungen der OP-Schwestern nach sich zog.

Der Sandmann lachte zwar mit, fühlte sich aber glaube ich angesichts der weiblichen Übermacht unterlegen und wagte keinen weiteren Einwand (der eh auseinander genommen worden wäre *gacker*).

Hach ja, es war insgesamt ein sehr lustiger OP-Tag.  Man unterhielt sich über Olympia in Peking und der Gynnie erzählte ein wenig von den Erlebnissen seiner Tochter, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls als Olympionikin in Peking weilte.

"Ich bekam gestern schon einen Anruf und wurde gefragt, ob meine Tochter und Dirk Nowitzki was miteinander hätten. Sie würden doch mitunter seeehr vertraut auf der Tribüne hocken."

Es wurde noch mehr erzählt über dies und das. Gesprächspause, dann Innehalten der Chefärztin: "Auch wenn sie mich jetzt auslachen werden. Wer ist Dirk Nowitzki? Ich nehme jetzt mal an, das ist auch ein bekannter Schwimmer?"

Allgemeines Gelächter

"Hmpfm, ich wusste, sie würden mich auslachen!" "Also, Dirk Nowitzki ist KEIN Schwimmer, sondern Basketballer, und zwar ein ziemlich bekannter. Der hat doch auch die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier getragen"

"Die hab ich auch nicht gesehen"

"Ach, das Bild ging doch durch alle Zeitungen"

"Ich KENN den Typen aber trotzdem nicht, ich habbet nu ma nich so mit Sport ..... außerdem: wenn ich SIE nach Sängern der 40er und 50er Jahre fragen würde, wüssten sie auch nicht Bescheid, oder?"

Und der Sandmann konterte: "Neee, mit diesen komischen Schlagersängern kennen wir uns nicht aus ". Allgemeines Gelächter. Natürlich wurde der Chefärztin wurde dann noch schnell die Lektüre der Yellow Press im Wartezimmer der Ambulanz nahegelegt, damit sie im Bilde ist.

 

 

 

21.8.08 23:49


Tag 6 - Aber nen Hausfrauenknoten können sie doch, oder???

Die 1. Woche meiner Famulatur in der Uro endete mit den üblichen Aufgaben einer Uro-Ambulanz: Assistieren beim Verbandswechsel, Blutentnahmen, Sonos, Klammer ex, ESWL, MCU, Restharnbestimmungen, Uroflow, Neuaufnahmen etc. Ein entspannter Tag nach einer anstrengenden, aber dennoch richtig guten Woche.

Die Beginn der 2. Woche beginnt mit der üblichen Stationsarbeit: Visite, Viggos legen (menno, ich will auch mal!!!), Spülen der Neoblase (uah, janz schön viel Gülle....... NAC wirkt ... äh ja ... gut als Schleimlöser) und Frühstück. Dann ab in den OP zu einem weiteren Hämmerchen: Zystektomie, Ovarektomie, Hysterektomie, Lymphadenektomie und Anlage eines Ileum-Conduits. Ein langer Steh-Tag steht mir also bevor. Mittlerweile bekomme ich schon gar nicht mehr die Anweisung, den DK zu legen, sondern man erwartet vielmehr bereits von mir, dass ich zur Tat schreite. Flupp, drin isser. Mal wieder ist anatomische Fragestunde der Chefin angesagt. Heute ist mir der Gott der Anatomie aber besser gesonnen und ich kann endlich mal schnellfeuergewehrartig meine Antworten geben, als hätte ich das anatomische Wissen mit der Muttermilch aufgesogen *angeb* (mit dem Anatomie-Atlas als Bettlektüre zur Peinlichkeitsprophylaxe auch kein Wunder, oder?). Sie scheint jedenfalls zufrieden und es werden weitere Aufgaben an mich herangetragen. 

"Sie knoten jetzt mal subkutan.... "

Dem Knotengott hatte ich dummerweise vergessen ein Opfer zu bringen. Also fummeln meine Wurstfinger ein wenig unbeholfen rum, was mit einer - wie ich meine - dezent genervten Bemerkung der OÄ quittiert wird: "Aber nen Hausfrauenknoten können sie doch wohl, oder???" Die Chefin scheint da ein wenig gelassener: "Knoten sie einfach so, wie sie möchten. Das hält schon. Können sie ja mal ein bißchen üben. Nehmen sie sich Nahtmaterial mit und dann fluppt das beim nächsten Mal."

Zum Abschluss darf ich noch den "Reißverschluss" anbringen. Ich nehme mir vor, heute Abend zu knoten wie eine Bekloppte. Mann, das KANN doch nicht soooo schwer sein, Himmelherrgott nochmal!

Abends hocke ich am Couchtisch und knote Bändchen mit dem rosa Stickgarn (weiß der Geier, wo DAS herkommt, aber es leistet mir hervorragende Dienste *grins*). Ich stelle fest, Youtube ist für mehr als nur Musik- oder Spaßvideos gut .

29.8.08 23:01


Tag 7 - Und schön das Äußere nach innen stülpen

Ihr ahnt, worum es geht: 1. Sitzung der Geschlechtsanpassung einer TS (transsexuellen) Patientin. Ich stelle mich auf eine etwas längere Sitzung ein und genehmige mir nach der Visite und dem bißchen Stationsarbeit erstmal ein üppiges Frühstück mit dem geilen Mozzarella-Tomate-Brötchen aus der Cafete. Dazu ein Käffchen (ICH!!!!) und ordentlich Wasser hinterher. Soll keiner sagen, ich würde mich nicht adäquat auf längeres Stehen vorbereiten . Im OP angekommen, liegt die Patientin liegt bereits festgeschnallt wie ein Opferlamm da. Ich stelle für mich fest, dass in den meisten Fällen die Geschlechtsanpassung auch wirklich der beste Weg ist für TS-Patienten. So auch hier. Dies ist meine allererste OP mit einer 1. Sitzung TS, so dass ich mit einiger Spannung der Dinge harre, die gleich auf mich zukommen werden. Na klar, als erste Amtshandlung darf ich wieder den SPK legen, nachdem die Chefin "angestochen" hat. Dann geht es los. Zunächst werden das Skrotum eröffnet und die Hoden entfernt. Nach einigen Zwischenschritten (Präparieren der Harnröhre etc pp) folgt nur die Bearbeitung des Penis. Der OP-Pfleger und der Sandmann (jaaahaaa, der gleiche!) stehen am Fußende beieinander und verziehen das Gesicht, als würde es um ihr eigenes Gemächt gehen. "Na, dat is nich so euer Ding, was?" bemerkt die OP-Schwester grinsend. "Neeeeeeeeheeeeeeee, und wir behalten unser Ding auch lieber!" Von irgendwo her kommt ein "besser ist das....". Die OP scheint wieder mal lustig zu werden. Als es dann an das Präparieren des Gefäß-Nerven-Bündels des Penis und der Glans (die die Klitoris bilden wird) geht, ist es mit der Fassung der Herren ganz vorbei. "Wat??? Die wird GESCHÄLT?????" "Na sicher. Da muss die obere Schicht ab, wie soll sie sonst anwachsen unter der Haut?" Die Chefin spricht's und schnippelt mit einer feinen Schere kleine Stückchen der obersten Hautschicht ab, so dass sie nachher aussieht wie ein Golfball. Die Herren werden blasser und blasser und bemerken nur leise "uaaaaah, das tut doch weh". "Herr Kollege, wenn sie die Narkose anständig gemacht haben, tut das auch nicht weh ". Das Herausschälen der Schwellkörper wollen sie gar nicht mehr sehen. Das ist offenbar zuviel für eine zarte Männerseele *hihi*.

Nun noch "eben schnell" die Implantation der Harnröhre an die bei Frauen übliche Stelle sowie der Klitoris (die Glans wird übrigens meist im ganzen erhalten). Es sieht schon ziemlich weiblich aus, was ich da so sehe.

Der schwierigste und gefährlichste Part beginnt nun und ist die Schaffung des Raumes für die Neovagina. Ok, da wird MIR dann mal kurz anders. "So, sie halten jetzt mal schön die Haken symmetrisch wie ein ägyptisches Tempeltor in Abu Simbel, damit ich hier mit dem Blech reinkann". Die Geräusche sind schon sehr, sehr gewöhnungsbedürftig und wir wagen kaum, uns zu bewegen. Einen Anus praeter wollen wir der Patientin dann doch ersparen. Die leere Penishülle wird mit einem Platzhalter aus Schaumstoff mit Silikonhülle ausgefüllt und sieht irgendwie wieder aus wie ein Penis - wäre da nicht die Tatsache, dass das äußere nun nach innen gestülpt ist. Mit Fibrinkleber wird der neugeschaffene Raum für die Neovagina ausgekleidet, die Schamlippen und der Scheidensteg geformt und vernäht und feddisch is der Lack. Hört sich alles sehr kurz an, ist aber aufgrund der Fummelsarbeit doch wirklich zeitaufwändig. So ganz nebenbei lerne ich viel über die Feinheiten der plastischen Chirurgie. Sowas könnte mir auch Spaß machen, wo ich doch Fummelsarbeit mag. Nach etwas über 4 Stunden ist das Werk vollendet. Ich finde, es sieht sehr gut aus und freue mich für die wirklich nette Patientin.

Ich bekomme die ehrenvolle Aufgabe, diesmal meine Knotkünste zu demonstrieren (höhö, ich darf die Drainage festnähen).

"Ich sehe, sie haben geübt.... das sieht doch schon gut aus." "Youtube macht's möglich... mit den Bildern aus dem Büchlein kam ich irgendwie nicht zurecht "

"Ich auch nicht. Damit KANN man es nicht lernen! Das muss man einfach sehen. Aber sie haben gut zugeguckt. Äh, wieviele Meter Bändchen haben sie geknotet?????? "

29.8.08 23:36


Tag 8 - Fluch und Segen des Internets

Heute bleibt mir mal der OP erspart. Nicht, dass ich das nicht gerne mache, aber irgendwie ist es auch mal schön, mehr von der täglichen Stations- und Ambulanzroutine mitzubekommen.

ESWL, MCU, Sono, Verbandswechsel, Blasenspülung ... alles dabei.

Ein Flitztag, keine Frage. Aber dennoch mal sehr entspannend. Das Highlight heute: Die Sprechstunde der Chefin.

Kommen natürlich hauptsächlich TS-Patientinnen zur Beratung. Und so lerne ich viel über die Sorgen und Ängste der Patientinnen. Und wieder einmal sehe ich, dass die mehrheitliche Anteil der Frauen auch tatsächlich eher Frau als Mann sind, sowohl von der Art/Gestik/Sprechweise als auch vom Körperlichen her. Klar, die Hormon-Therapie tut ihr übriges. Aber was man da mitunter sieht, ist schon beeindruckend. Sehr kleine Penisse bzw. gar keine, sondern nur Vorhaut/Haut. Da fragt man sich echt, warum die TS-Patienten so lange mit sich hadern, bis sie Nägel mit Köpfen machen. Der Leidensdruck muss schon beträchtlich sein. Was ich aber erfreulich finde, ist die Tatsache, dass bis jetzt alle Frauen (naja, noch sind sie ja keine "richtigen".... schwierige Sache irgendwie) nach eigener Aussage ausnahmslos ein problemloses Outing hatten. Sie haben alle nach wie vor ihren Job und erfahren sowohl in Familie als auch Freundes- und Bekanntenkreis gute Akzeptanz. Auffällig ist allerdings, dass die meisten auch häufig Frauen (oder ebenfalls ehemalige TS-Patientinnen) als Lebensgefährtinnen haben. Wobei ich mir bei manchen Frauen wirklich lebhaft vorstellen könnte, dass so mancher Mann es noch nicht einmal merken würde, welchen Weg seine Freundin hinter sich hat. Bei zwei Patientinen im Wartezimmer muss ich echt zweimal hingucken. Ich wage sogar zu behaupten, dass ich sie niemals als "anders" wahrnehmen würde, wüsste ich nicht, dass dies auch eine TS-Sprechstunde ist. Insgesamt muss ich sagen, dass es ein sehr angenehmes Patientenklientel ist. Sehr duldsam und dankbar - und herrlich offen.

Fluch und Segen des Internets... was hat es damit auf sich. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass das Internet ja heutzutage optimale Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung bietet. Ist dies bei den TS-Patientinnen absolut von Vorteil, weil sie sehr gut informiert bereits zur Sprechstunde erscheinen und die Gesprächsgrundlage eine gänzlich andere ist, sieht die Sache bei den "normalen" Patienten schon anders aus. Da sitzt man und sitzt man und sitzt man. Es kommt eine Frage nach der anderen à la "ich hab da gelesen". Und häufig hat man gerade das eben noch erzählt, da kommt dazu noch eine Frage, weil sie eben einfach auf dem schlauen Zettel steht. Das ist schon ein absoluter Zeitkiller, wie ich finde. Bewundernswert, wie geduldig die Chefin da ist. Zudem sind die Sorgen über Risiken und Nebenwirkungen noch höher, als es ein Waschzettel jemals bewirken könnte. Häufig haben die Patienten ihre Informationen ja auch aus diversen Betroffenen-Foren, wo man dann erstmal aufgekeimte Panik und Ängste mächtig dämpfen muss. Informierter Patient schön und gut, aber das ist manchmal echt ein bißchen "too much".

Was ich heute lerne:

1. Aufnahme- und Aufklärungsgespräche kann man gar nicht ausführlich genug führen. Es kommen weniger Nachfragen vor und nach der OP, weil bereits alles geklärt ist. Das ist wertvoll investierte Zeit, wie ich finde. Klar, ich bin noch leicht zu beeindrucken, weil 1. Famulatur, aber insgesamt würde ich mir wünschen, ich könnte mir davon ne große Scheibe für das spätere Wirken abschneiden.

2. Dass manche Untersucher gar nicht auf die Idee kommen, die Sonoliege wieder für den nächsten Patienten einladender zu machen, indem man die zerknitterte und bematschte Papierauflage abreißt und entsorgt. Vom Schallkopfsäubern mal ganz abgesehen. Ist manchmal echt eklig. Ist das denn soooooooooo schwer und sooooooooooooo anstrengend, diese halbe Minute noch dranzuhängen?

Was ich heute noch lerne: Spinnen fühlen sich in Ambulanzen im Erdgeschoss verdammt wohl. Aber warum müssen die immer genau da hocken und flitzen, wo ICH gerade langgehen muss? Schön auch, wenn da ein Patient in seinem Bett liegt und auf ein Sono wartet, während du dekompensierst angesichts einer fetten Flitzspinne (die irgendwie sonst niemanden zu stören scheint.....). Warum müssen die heute alle ein Sono haben???????????????? Ich möchte bitte Angler-Gummistiefel statt Crocs haben - und jemanden, der Flitzspinnen entfernen kann!

30.8.08 00:51


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