Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

http://myblog.de/daisys-ententanz

Gratis bloggen bei
myblog.de





Lurz? Ich kenn nur Lutz...

... und das ist ein Sprung im Eiskunstlauf (jaja, man merkt, es ist wieder mal Olympia-Zeit). Aber ihr werdet noch erfahren, was ein Lurz ist .

Der 2. Tag fängt ein bißchen später an, weil das Töchterlein erstmal mitsamt Köfferchen und Rucksack an der Schule abgesetzt werden muss, bevor es auf Klassenfahrt geht. So bringe ich mich heute um die Blutentnahmen. Bin ich eigentlich die Einzige weit und breit, die nix dagegen hat, Blutentnahmen zu machen oder Viggos zu legen? *grins*

Aber es gibt noch was für mich zu tun. Die Blase eines kleinen Mädchens, das ganz viel Angst hat, muss noch mit einer Blasenspritze gespült werden, damit sich keine Koagel bilden, die ihrerseits wieder unerwünschte Komplikationen mit sich bringen könnten. Nee nee, dann doch lieber schön sanft und vorsichtig gründlich spülen. Ein bißchen Anlächeln und wildes Draufloserzählen mit leiser Stimme entspannt das Mädchen zusehends. Mama und Papa tun das Ihrige dazu, dass die Kleine nicht mehr so verkrampft auf Schmerzen wartet. Und so komme ich gut voran. Wenn so kleine Patienten in ihren Bettchen liegen und anscheinend die Stimme zu Hause gelassen haben aus lauter Angst, dann berührt das schon sehr. Man kommt sich richtig fies vor, wenn man sie dann ein wenig piesacken muss. Gottseidank war es heute kein Piesacken meinerseits .

Noch eben schnell ne Drainage gezogen (Himmel, saß die fest! Ich brauchte 2 Anläufe beim Ziehen!) und der "Stationskram" ist erledigt. Okay, die Briefe natürlich nicht, aber da kann ich noch nicht mithelfen, da ich die entlassenen bzw. zu entlassenden Patienten noch nicht kennen. Naja, ich hab ja noch ein paar Tage Zeit.

Dann kommt wieder der Ruf "Ente, bitte in den OP kommen zum Hakenhalten". Ich freu mich! Mein erster OP-Einsatz nach langer Zeit mal wieder. Und eine Nierenabgangsstenosen-Plastik habe ich noch nie gesehen. Klar, aus dem Buch schon, aber das ist mir zu abstrakt. Und nun kommen wir auch zu Lurz (nein, nicht Hurz, das ist Ha-Pe Kerkelings Lamm). Also, nach Herrn Lurz ist ein Zugangsweg ins Retroperitoneum benannt. Man markiert die Crista iliaca und den unteren Rand der 12. Rippe. Dazwischen wird (vereinfacht ausgedrückt) nun eine Linie gezogen, und zack hat man seinen Zugangsweg markiert. Kannte ich noch nicht. Und so war ich gebannt dabei, als das Pyelon der Niere langsam freigelegt wurde unter Schonung der darüberliegenden Muskulatur. Was dann kam, konnte ich leider nicht so gut verfolgen, da mein Einblick ins Operationsfeld mehr als beschränkt war. Aber hin und wieder konnte ich einen Blick erhaschen oder wurde gebeten, mal etwas zu anzuschauen. Als der Harnleiter dann ins Pyelon neu eingepflanzt war, sah es auch tatsächlich so aus wie im Lehrbuch. Aber natürlich vieeeeel schöner *grins*. 

Ich bin zwar mittlerweile OP-erfahren, aber der Faux-Pas von heute war mir dann doch peinlich ohne Ende . Wie bitte schön kommt man auf die Idee, einen Roux-Haken hinter dem Rücken der Operateurin der OTA geben zu wollen?!?!?! Naja, ich wurde aufgeklärt, dass ich das NIE machen solle. Hm, wissen tat ich das schon, nur war ich irgendwie deppert in dem Moment . Ich war soooo überrascht über meine eigene Doofheit, dass ich noch nicht einmal ein "Entschuldigung" hervorbrachte. 

Irgendwie kamen wir am Tisch auf das Thema "Jodeln" *lach*. Ich habe keine Ahnung mehr, wie es dazu kam, aber der OA erzählte, dass jetzt in Oberammergau eine Jodelschule zu finden sei. Ich nuschelte "aber dafür ist doch Loriot zuständig, also für Jodeldiplome". Die Chefin wusste zu berichten, dass der ja nun auch schon das Zeitliche gesegnet hätte. "WAAAS??? Wie jetzt? Wann????" entfuhr es mir geschockt. "Och, ist doch schon lange her, letztes Jahr irgendwann". "Oh Mann, das muss an mir vorbei gegangen sein. Und das MIR, als Loriot-Fan!" "Tja, dann kann die Liebe ja nicht so groß gewesen sein, wenn sie das nicht mitbekommen haben". Ich war total perplex. Kaum war ich aus dem OP raus, musste ich mal eben im Arztzimmer googlen, was aus Vicco von Bülow geworden war. Und siehe da, er erfreut sich bester Gesundheit! Mit anderen Worten: ER LEBT NOCH! Mensch, die Chefin kann mich doch nicht sooooo schocken! Neee, das muss ich morgen prompt richtigstellen emotion. Tja, nichtsdestotrotz dachte ich nun im OP die ganze Zeit nur noch an "holleri-du-dödel-di, diri-diri-dudel-dö" und "es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann" ... und nein, der Faux-Pas war VORHER!!! *grins*

Morgen ist Freitag, und der 3. Tag steht an. Ich kann es nicht fassen, wie gern ich dort arbeite! Und das auch noch für ein Mittagessen .

18.2.10 23:24


Werbung


Ich bin wieder hier....

.... in meinem Revier

Ich hab's zwar nicht soooo sehr mit dem Herrn Westernhagen, aber damit spricht er mir einfach aus der Seele. "War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt" passt auch. Der geneigte Leser wird sich denken können, wo ich wieder gelandet bin: Auf meiner einmal-und-immer-wieder-urologischen-Station

Mittlerweile hat auch jeder in meiner Umgebung gemerkt und akzeptiert, dass ich von meinem Vorhaben, mich nach dem Examen der Urologie zu widmen, nicht mehr abzubringen bin. Insofern wundert sich auch niemand mehr wirklich (und man fragt auch nicht mehr), wenn ich erwähne, dass ich wieder famulieren werde. Es scheint allen klar zu sein! *lach*

Ich fühle mich - mal wieder - direkt überaus freundlich aufgenommen. Es ist wirklich ein Gefühl, als sei ich nie weg gewesen. Es ist einfach sehr schmeichelhaft, wenn man sich über die eigene Anwesenheit freut. Das Schöne an wiederholten Famulaturen auf ein und derselben Station ist einfach, dass man direkt wieder "drin" ist. Die Arbeitsabläufe und Gepflogenheiten vergisst man einfach nicht so schnell.

Julia ist leider im Urlaub, so dass wir uns diesmal gar nicht sehen werden. Und da es meine letzte Famulatur ist, muss ich einfach nochmal vorbeischauen, wenn sie wieder da ist. Ansonsten hat sich nichts verändert.

Der 1. Tag ist entspannt. Die MTA, die die Blutentnahmen früher durchführte, ist nicht mehr da. Also hat die Famulantin direkt etwas zu tun ;-). So lernt man auch am besten auf unkomplizierte und kommunikative Art und Weise die "Belegschaft" kennen. Verbandswechsel steht auch noch an. Dann kleine "Aktenkunde", damit man ein bißchen im Bilde ist, weshalb die Patienten überhaupt bei uns sind. Irgendwie vergeht der Tag wie im Fluge, und *zack* ist auch schon die nachmittägliche Visite dran. Als ich danach nach Hause gehe, hab ich das Gefühl, nun wirklich aufgeklärt zu sein - und jenes, dass es ein schöner Tag war. So blöd das für einige Leute klingen mag, aber ich liebe es einfach zu arbeiten. Hoffentlich geht das letzte Semester ganz schnell vorbei. Die Uni nervt einfach nur noch. Klar, freie Zeiteinteilung und solche "Spirenzkes" sind zwar schön, aber irgendwie bin ich "uni- und dauerpleitemüde" geworden. Es wird Zeit, dass ich endlich mein Examen machen darf!

Ich freu mich schon auf den 2. Tag!!!

 

EDIT: Der 2. Tag wird aus Gründen der "dichterischen Freiheit" (mal anders verstanden emotion) am gleichen Tag in Worte gepackt.

18.2.10 22:32


Alte Bekannte & neue Wahrheiten

Tja, mein 1. Tag an meiner alten neuen Famu-Stelle war im Grunde wirklich gut. Man freute sich sehr, mich zu sehen, zeigte mir sehr viel Neues, ließ mich zystoskopieren (okay, nicht von vorne bis hinten, aber ich durfte die Blase begutachten und absuchen), machte Pläne mit mir für die Zukunft (die wir noch mit der Chefin bequatschen müssen )....

Soweit so gut. Ein alter "Bekannter" (also Patient) landete heute zu einer RLA (retroperitonealen Lymphadenektomie) bzw. Mediastinalen LA bei Z. n. Bulky Disease, welches durch ne gehörige Portion Chemo deutlich geschrumpft war. Gottseidank hat ER als junger Vater wenigstens ne gute Prognose. Weniger gut war die Prognose des Mannes, den ich letztes Jahr aufgenommen hatte (damals mit einem symptomlosen, metastasierten und nur zufällig entdeckten Nierenzell-Ca) und im Frühjahr noch zur Chemo wiedergesehen hatte. Er ist in der Zwischenzeit bzw. vor 1,5 Monaten leider verstorben, und ich musste mal ganz heftig schlucken. Ein sehr, sehr lieber Patient, ebenfalls junger Vater mit einer tollen Familie. So schön es ist, alte Bekannte wiederzutreffen.... Patienten sehe ich nicht so gerne wieder, denn das heißt meist nichts Gutes *seufz*.

Blöd war heute mein "Oberknaller", den ich gegenüber der Chefin gebracht habe. Man stelle sich folgende Situation vor: Junge Eltern mit 1,5 Monate altem Säugling mit Hodenschwellung. Kind wird ausgepackt. Chefin und Famulantin begutachten den Ballon zwischen des Babys Beinchen. Frage der Chefin an mich: "Na, was ist das?" Kurzes, wirklich nur kurzes Schweigen meinerseits. PEINLICHES Schweigen, wie ich finde. Ich mein, ich kenne dieses Phänomen sehr wohl, aber ich bin zum Verrecken nicht auf den Fachterminus gekommen!!! Damit die Chefin nicht meinte, sie hätte es mit der dööfsten und "alzheimersten" Famulantin ever zu tun, sagte ich dann - mit Rücksicht auf die türkischen Eltern in schönstem Deutsch *grins* - "Wasserhoden" .... Antwort der Chefin in leicht empörten Ton: "Hy-dro-ze-le!" Mann, war mir das peinlich.... echt, 2 Wochen Schamanentum, und ich hab mein urologisch denkendes Hirn abgegeben, oder wie?!?! Geht ja GAR NICHT!!!

Ansonsten war es ein schöner Tag, relativ lang (bis ca. 17.30 Uhr ohne Mittagspäuschen), aber echt okay. So kann es weitergehen! Und ich hoffe ja mal auf ne ureigene Zysto *wünsch* und andere hübsche Dinge *weiter wünsch*

8.9.09 20:06


So, nach einem Jahr Abstinenz soll hier jetzt in den kommenden Wochen wieder ein bißchen Leben hereinkommen. Nachdem ich ja monatelang getriezt worden war, nun doch mal endlich bei einer lieben augenschamanischen Kollegin in die Lehre zu gehen, nahm ich vor 2 Wochen mal allen Mut zusammen genommen und stellte mich tapfer der Aufgabe "Das rollende Auge". Ein schöner Nebeneffekt war, dass Frau Schamanin mir Logis gewährte, was natürlich in abendlichem Amusement endete: div. DVD mit "Schrägfaktor", Doctor's Diary Anfixprogramm mit der gesamten 1. Staffel, lecker Essen, lecker Teechen, lecker Ipanemae, Katzengekuschel, Katzenangefauche (ja, auch das!), Anchatten via ICQ, obwohl wir nur einen halben Meter voneinander getrennt saßen *gacker*. Kurzum, wir hatten Spaß an den gemeinsamen Abenden.

Ziel der gesamten Aktion war ja ursprünglich, dass mich besagte Schamanin der Augenheilkunde evtl. doch zu ihrer Fachrichtung bekehren und ich letztlich der wasserwerkenden Kunst den Rücken kehren würde. Der geneigte Leser kann sich vorstellen, wie das Schauspiel ausging: Ein Auge ist hübsch, keine Frage. Aber nicht so hübsch wie ein zarter Harnleiter... schöner Versuch, aber nicht von Erfolg gekrönt! Immerhin werde ich mit ziemlicher Sicherheit mal nicht dämliche Augenkonsile anfordern, weil ein Patient einen vermeintlich hochakuten Glaukomanfall aufweist, der sich als NIX erweist. Und die Todessicca dürfte mir auch erlegen sein ).

Was das schamanische Arbeiten anging, wurde mir sehr viel gezeigt. Ich war eigentlich die ganze Zeit in der Poliklinik/Ambulanz, da ich noch einen Teil meiner 30tägigen Praxisfamulatur irgendwie abhaken musste. Ob ich mal jemals mit Visusbestimmung, Augendruckmessung, Hornhautdickenmessung, Amsler-Test, Augenhintergrundspiegeln etc. pp. jemals praktisch etwas werde anfangen können, ist mehr als fraglich. Aber zumindest ist es ein schönes Gefühl, wenn man nach anfänglichem "uah, ich kann doch nicht am Auge rumfummeln" ein selbstsicheres "bitte geradeaus schauen, ich messe jetzt den Augendruck" zustande bringt.

Unübertroffen ist allerdings der wirklich schöne Blick auf die Netzhaut. Es braucht einige Zeit und schier unzählige, vergebliche Versuche als "Lord Helmchen" und/oder mit der Spaltlampe, um mithilfe der Lupe ein scharfes Blick auf den zarten Augenhintergrund zu erheischen. Aber wenn man es einmal geschafft hat, bieten sich einem Ausblicke, die schon faszinierend sind. Man würde am liebsten noch weiterschauen, aber die Patienten tolerieren das meist nicht so gut, wenn nach dem Schamanen auch noch die Famulantin gefühlte Stunden mit gleißendem Licht im Auge rumsucht. Besonders schön war der Ausflug oben auf die Lahnberge in die Kinderklinik, wo Frühchen auf ihre Fundusbegutachtung warteten. Es sieht schon brachial aus, wenn in so ein Frühchenauge ein Lidsperrer eingelegt wird, damit man freien Blick bekommt. Aber die Tatsache, dass das vorherige Einträufeln betäubender Augentropfen die Prozedur einfach nur nervig und nicht schmerzhaft für die Kleinen machen, macht es dann erträglicher für den Untersucher. So viele kleine Motzkühe lagen da in ihren Bettchen, und es wurde gezetert nach allen Regeln der Kunst, als hätten sie nur darauf gewartet, ihr Kreisch- und Nörgelorgan mal richtig zu demonstrieren ;o). Herrlich!

Fazit: Zwei Wochen sind zwar als "Andersorientierte" durchaus ausreichend für die Augenheilkunde, aber es tat mir doch schon sehr leid, das nette Team jetzt schon wieder verlassen zu müssen. Sollte ich nochmal Lust verspüren, den Leuten mal tiiiiieeef in die Augen zu schauen, könnte es passieren, dass ich nochmal hinfahre ;o).Und dann geht es nach Frankfurt zum zaubern, Tom! Gebongt!

 

Ach ja, morgen geht es weiter, diesmal mit - oh, welch Wunder! - der UROLOGIE *im Kreis grins*

7.9.09 11:52


Gilt für alle Tage - das Vergängliche ist allgegenwärtig

Eine Sache muss ich definitiv noch lernen: Die Schicksale der Patienten nicht zu sehr an mich rankommen zu lassen. Auf der anderen Seite will ich nicht so ein abgestumpftes Wesen werden. Aber dass ich tagelang drüber nachdenke, geht auch nicht. Ich hoffe (bzw. bin sicher), ich werde irgendwann den Mittelweg finden.

Es ist einfach ein ganz fieses Gefühl, Zeuge zu werden, wie eine knapp über 40jährige Patientin direkt vor einem dekompensiert, als sie erfährt, dass sie ein fortgeschrittenes Harnblasenkarzinom hat und ihre Blase (und vielleicht auch ihre Kontinenz) verlieren wird. Die Konsequenz, die sich daraus ergibt, wird ihr glaub ich so langsam klar. Dass es damit nämlich nicht getan ist. Ihr steht ein langer, steiniger Weg bevor, und ob dieser am Ende von "Erfolg" (sprich Heilung) gekrönt sein wird, steht zu bezweifeln. Man steht so hilflos da, und tröstende Worte erscheinen einem nur hohl und absolut überflüssig. Es ist einfach zum Kotzen, wenn man als selbst 40jährige Frau sieht, wie schnell das Blatt sich wenden kann. Man wäre vielleicht noch in der Lage, das bange Gefühl um die eigene Gesundheit abzuschütteln - wäre da nicht die Serie, die sich gerade irgendwie eingestellt hat.

Denn just steht der nächste Patient auf der Matte, der mal eben durch einen Zufallsbefund gerade quasi sein Todesurteil in Form eines metastasierten Nierenzellkarzinoms bekommen hat. Ebenfalls gerade mal knapp über 40 Jahre. Da sitzt ein gestandener Mann vor einem, Familienvater von zwei kleinen Kindern (jünger als meine Tochter) und Ehemann einer sehr netten Frau, und versucht, die Fassung zu wahren und Optimismus auszustrahlen. Und im Gespräch wird versucht, die Wahrheit so schonend wie möglich rüber zu bringen. Auf dem Röntgenbild sieht ein solcher Befund so nüchtern aus, so fremd irgendwie. Aber wenn man während der OP das Organ mit den Händen umfasst und das ganze Ausmaß sieht, wird einem anders. Da ist der Gedanke an die eigene Gesundheit und das eigene Kind wieder da. An solchen Tagen ist es auch im OP deutlich ruhiger. Auch das könnte man vielleicht so gerade eben noch halbwegs abschütteln, würde da nicht direkt am Anfang der nächsten Woche wieder eine viel zu junge Patientin mit ähnlichem Befund zur OP anstehen, die vor 4 Tagen noch kerngesund erschien und im Grunde noch ein langes Leben vor sich zu haben schien.

Ich hoffe, die Serie hat jetzt bald ihr Ende erreicht. Es reicht!

13.9.08 23:22


Tage 16 - 18 - OP-Säle mit großen Fenstern, ein Vorteil für Erdmännchen und andere Spezies

Ich weiß ja nicht, wie es an anderen Kliniken raumtechnisch so aussieht, aber ich habe bisher noch nicht sooo viele OP-Säle mit großen Fensterfronten erlebt. Was daran jetzt so besonders ist? Ha! Man kommt nicht nur in den Genuss eines ab und an abschweifenden Blicks ins Grüne. Nein, es bieten sich auch durchaus nette Aussichten, die einem langwierige OPs versüßen können.

Die OTA, selbst nicht wirklich größer als ich, steht selbstverständlich auf einem Stüfchen. Und sie hält uns mit schöner Regelmäßigkeit darüber auf dem laufenden, was sich im Garten des Bungalows gegenüber abspielt. "Ach sieh mal einer an..... jetzt holt er die Wäschespinne raus..... kann der die überhaupt aufstellen?" Alle Köpfe fliegen rum, Blick aus dem Fenster, mitleidiges Grinsen allerseits. Wie die Erdmännchen in den bekannten Zoosendungen im TV recken wir uns, die Hände brav unter der Brust körpernah gefalten. Irgendwann wenden wir uns wieder dem OP-Geschehen zu. "Ohaaaaaaaaa, er hängt die Wäsche auch noch auf????? Das hat er ja noch nieeeeeeeeee gemacht! Ob er was gut zu machen hat?"

Nach einer weiteren Woche in diesem OP-Saal bin ich voll informiert, was gegenüber so abläuft. Sie arbeitet viel, während er mit einer ihm eigenen Vorliebe im Liegestuhl liegend (mit Schiesser Doppel-Feinripp Unterhemd über dicker Plauze) ihr freundlicherweise aufzeigt, wo noch Defizite rund ums traute Heim zu verzeichnen sind. Wenn Besuch kommt, flitzt Mutti 100 mal so gut wie einmal brav vom Haus in den Garten und wieder zurück, um es den Gästen und dem gestrengen Ehemann recht zu machen. Wir warten insgeheim diese Woche nur noch darauf, dass beide die Hüllen fallen lassen. Es sind sommerliche Temperaturen angesagt und dieses Paar ist sich offenbar nicht bewusst, dass der Verlust von hohen Hecken einige Wochen zuvor zu einem Silbertablett-Dasein geführt hat.

Irgendwie fühlen wir uns alle wie Waldorf und Stadler. Und der Anästhesiepfleger bekommt eine Ahnung davon, wie es in einer reinen Frauenrunde so abgeht. Ab und an lünkert er über den Vorhang des Kasperle-Theaters und staunt. 4 Frauen am OP-Tisch, 1 OTA, 1 OP-Springerin und 1 Anästhesistin. Irgendwie muss es sich schon herumgesprochen haben, dass es in unserem Saal immer sehr lustig zugeht und viel gelacht wird, denn außer uns sind von Tag zu Tag mehr Menschen im OP zu sehen. Und das liegt bestimmt nicht nur an den interessanten TS-Schnippel- und Schälaktionen, die manchem Mann die Farbe aus dem Gesicht treiben.

 

13.9.08 20:36


Tage 10 - 15 - Dinge, die man lieber nicht wissen möchte...

Wie bereits aus dem 1. Teil des Titels ersichtlich, würde es keinen Sinn machen, jetzt jeden einzelnen Tag dieser Woche nieder zu schreiben. Die Arbeiten bzw. die Arbeitsabläufe wiederholen sich mehr oder weniger. Allerdings verhält sich die Anzal der pro Tag erledigten Arbeiten nun proportional zum bislang erworbenen Kenntnis- und Fertigkeitsstand. Man traut mir mehr und mehr Dinge zu. "Machen sie doch mal eben..." (zu mir) oder "das macht mal eben unsere Famulantin" (zu Patienten) höre ich immer öfter.

Ich fühle mich noch immer sauwohl und voll integriert. Man ist nach wie vor sehr bestrebt, mir viele (auch komplizierte) Sachverhalte zu erklären. Allerdings werde ich auch noch immer hin und wieder dezent von der Chefin "testiert". Wobei das selten unangenehm ist. Irgendwie schafft sie es, dass man sich dennoch nicht doof vorkommt, wenn man etwas nicht genau weiß.

Ein Highlight dieser Woche: Der Chef fragt mich, ob ich Lust hätte, bei der Blasenekstrophie-OP dabei zu sein. NATÜRLICH MÖCHTE ICH!!!! Zumal sich hier die Möglichkeit bietet, etwas ganz und gar nicht Alltägliches zu sehen (und auch noch dabei mitzumachen!!!! - und sei es nur hakenhaltend). Also stehe ich mit dem Chef und einem seiner Assistenten am Tisch....... schweigend. Na toll!!!!! SO hatte ich mir das nun wirklich nicht vorgestellt. Hey, ich bin unterhaltsame OPs gewöhnt!!!!!!!!!!! Eine knappe halbe Stunde schaue ich mir das an. Dann fasse ich allen Mut zusammen (der Schuss könnte für mich auch nach hinten losgehen und in einer Zurschaustellung von absolutem Nichtwissen enden) und stelle eine Frage. Wider Erwarten fasst er diese Frage offenbar gerne auf und fortan werden der Assi und ich zugeballert mit Fakten und Erklärungen. Als es knifflig wird, sagt er kurz entschuldigend, dass er sich nun ein wenig konzentrieren müsste, aber dass wir das Thema auf jeden Fall später wieder aufgreifen würden. Der Assi guckt mich an, ich gucke den Assi an, der Chef ist vertieft in seinem Gewusele, dass er gar nicht merkt, dass wir mit großen, ungläubigen Augen schauen. Ein bißchen Testat muss offenbar auch hier sein, und ich werde zu Laplace & Konsorten befragt. Nun bin ich diejenige, die während diverser Handlanger-Aktionen die Konzentration zusammen halten muss. WANN hab ich das letzte Mal über Laplace nachgedacht???????????????

Irgendwann frage ich den Chef, wie denn die Lebenserwartung dieses (afghanischen) Jungen sei, mit einer Neoblase in seinem Heimatland zu leben. "Wenn er nicht erschossen wird, lange"

Weitere Erläuterungen folgen: "Wir haben letztes Jahr einen Jungen aus Eritrea erfolgreich operiert. Nachdem er nach einem halben Jahr mit diversen Klinikaufenthalten bei uns wieder zuhause ankam, dauerte es gerade mal 7 Tage und er wurde erschossen....."

Ich stelle für mich fest, dass es 1. ein Geschenk ist, ein gesundes Kind zu gebären ("in der westlichen Welt ist eine Fehlbildung wie diese eine absolute Indikation zum Schwangerschaftsabbruch" ) und 2. beruhigend und gleichzeitig beschämend ist, in einem ruhigen Teil unserer Erde zu leben, wo wir uns tagtäglich Gedanken über Pille-Palle machen.

13.9.08 19:48


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung